Wie geht Thriller?
Ein Glas Champagner,
Eier und Speck

Ein paar kurze, erhellende Einblicke ins Wesen des Thrillers und Informationen zum Ursprung und zum Durchbruch von James Bond und Co.

Von Benjamin Bögli

Zuerst ein bisschen Schriftstellerromantik:

Jack Higgins nahm jeweils ein Nachtessen bei seinem Lieblingsitaliener ein, dann schrieb er bis zur Morgendämmerung und beendete seinen Arbeitstag mit einem Glas Champagner, Eiern und Speck.

Erfahren haben wir dies Dank dem brandneuen Buch von Mike Ripley, «Kiss Kiss, Bang Bang: The Boom in British Thrillers from Casino Royale to The Eagle Has Landed». Spezialist Ripley widmet sich darin leidenschaftlich seinem Lieblings-Genre, dem Thriller und dessen grossen Autoren – eben Higgins, James-Bond-Erfinder Ian Fleming, Spionage-König John Le Carré und vielen anderen.

Higgins Arbeitsweise trug übrigens Früchte: Der 87-Jährige hat bis heute – geschätzt – 250 Millionen Bücher verkauft. Sein bekanntestes: «The Eagle Has Landed».

Man würde meinen, die Gattung des Thrillers sei mindestens so alt wie Jack Higgins selber, doch dem ist nicht so.

Ursprung in den fünfziger Jahren Das Königreich wurde zwar immer kleiner, doch Grossbritannien erfand sich in der Literatur neu und stieg zur Thriller-Weltmacht auf. Ripley beschreibt die Zeitspanne zwischen 1953, als Ian Fleming seine erste Bond-Geschichte «Casino Royale» veröffentlichte und 1975, als «die Amerikaner – wie immer leicht verspätet – in die Schlacht eingriffen».

Die Definition von Thriller Ripley teilt in drei Unterkategorien ein: Abenteuer-Thriller (z.B. Alistair Maclean), Spion-Fantasie (Fleming) und – die etwas realistischere – Spion-Prosa (Le Carré).

Innovation Es gibt wesentliche Unterschiede zur Spannungsliteratur der Vorkriegsautoren wie John Buchan, Dornford Yates und Sapper. Sie beschrieben zwar Gewalt, doch unterlag diese gewissen Spielregeln etwa «wie beim Rugby», schreibt Ripley. Frauen kamen auch vor, waren aber bloss gesichtslose Figuren, die gerettet werden mussten. Sex gab es keinen. Bei Bond und Co. war und ist das natürlich anders. Nach dem Krieg brachen die Thriller-Autoren zudem genüsslich mit der Tradition des dünkelhaften, steifen, Aristokratie-gläubigen Helden ihrer Vorgänger. Sie führten exotische Schauplätze ein und zogen Hand in Hand mit dem aufkommenden Markenkult die – vor allem männliche – Leserschaft in Scharen an. Es war der Thrill des Eintauchens in eine schnelle, knallige, bunte Welt, die den Erfolg des Genres ausmachte.

PS. Eines der bestverkauften Spielzeuge im Jahr 1960 in England war Bonds Aston Martin DB5 im Kleinformat mit eingebautem (funktionierendem) Schleudersitz. Auch das steht in Mike Ripleys Buch.

Literatur:

Mike Ripley: Kiss Kiss, Bang Bang: The Boom in British Thrillers from Casino Royale to The Eagle Has Landed. Harper Collins. 448 S., Fr. 37.90.