Wie eine Pauke in zu engen Unterhosen

Phil Collins ist schuld! Der synthetische Schlagzeug-Sound der Achtziger ist zurück. Wir lüften das Geheimnis dahinter. Es heisst «gated reverb».

Von Genesis über Duran Duran bis Prince – den typischen Sound der Achtziger gäbe es nicht ohne diesen trockenen, aber dominanten, etwas seltsamen Schlagzeug-Klang. Im Jargon wird er «gated reverb» genannt. Über 25 Jahre blieb er unter Verschluss, jetzt haben Musikproduzenten die Büchse der Pandora geöffnet: Bei Taylor Swift, Lorde, Carly Rae Jepsen oder den Bleachers ist der «gated reverb» wieder en vogue.

Der Begriff bedeutet so viel wie «unterdrückter Nachhall», ist eine Aufnahmetechnik und entstand zufällig 1979 im Studio der Genesis. Es klingt in etwa so wie eine Pauke in zu engen Unterhosen.

Peter Gabriels Band mit Phil Collins am Schlagzeug benutzte für die Aufnahme des «Melt»-Albums eine neue Ausrüstung mit einem Mikrofon, das die Kommunikation zwischen den Tontechnikern und der Band erlaubte. Dieses Mic war eigentlich nicht für die Musikaufnahmen gedacht. Es verfügte über eine Technik, die Lautes unterdrückte und Leises verstärkte. Zudem hatte das Gerät ein «noise gate», das die Klänge während der Aufnahme beschnitt. Eine komplette Hallunterdrückung also.

Zufälligerweise blieb das Mikrofon an, als Collins mit einem Beat begann. Peter Gabriel gefiel dieser isolierte aber prägnante Anti-Hall-Klang so gut, dass er sein Album gleich damit eröffnete. Die Technik wurde später Standard.

Am deutlichsten hört man den Effekt beim aufbrausenden Schlagzeug in Phil Collins legendärem Stück «In the Air Tonight», aber eigentlich ist er in fast jedem Popsong der Achtziger zu finden. Als in den neunziger Jahren der Pop weniger synthetisch und wieder rockiger wurde, verschwand der unterdrückte Nachhall allmählich, bis ihn angesagte amerikanische Produzenten kürzlich wiederentdeckten.

Dieser kurze Youtube-Film über «gated reverb» zeigt die Karriere des Sound-Effekts auf sehr unterhaltsame Weise.

(B&C)