Paul Newmans Kult-Rolex und die Baumhütte

Experten erwarten von der Versteigerung einer legendären Rolex eine Rekordsumme. Auch, weil die Herkunft der Uhr besonders interessant ist.

Von Benjamin Bögli

Aussergewöhnliches Zifferblatt: Die «Paul Newman»-Rolex. (Bild: Optimist Consulting)

Für den «Cosmograph Daytona» mit dem weissen Zifferblatt könnten bald fünf, wenn nicht zehn Millionen Dollar bezahlt werden. Rekord. Was macht die Uhr so speziell?

Ende der Sechziger Jahre stellte der Schweizer Uhrenfabrikant die Produktion des «Cosmograph Daytona» wegen geringer Nachfrage ziemlich schnell wieder ein.

Womöglich schrammte die Rolex wegen ihres auffälligen Zifferblatts am Zeitgeist vorbei: Schwarz oder weiss ist es und heisst «Exotic Dial». Die Ziffern darauf sind in einer unüblichen Art-Déco-Schrift gestaltet, die (mittlerweile) begehrtesten Modelle verfügen zudem über eine rote Minuterie und einen ebenfalls roten Daytona-Schriftzug.

Erst als der Hollywoodstar Paul Newman in den siebziger Jahren und Anfang der Achtziger häufig mit dieser Uhr abgebildet wurde, entwickelte sich ein regelrechter Kult um den Zeitmesser. Sammler nennen das Modell seither bloss «Paul Newman». Es gilt als die meistgesuchte Vintage-Uhr von Rolex. Die günstigste Variante des Modells wird ab 100 000 Dollar gehandelt.

Newman schenkte die Uhr dem Freund seiner Tochter

Nun kommt am 26. Oktober in New York aber Paul Newmans persönliche Uhr unter den Hammer. Nell Newman, 58, die Tochter des Schauspielers, versteigert das ultimative Sammlerstück ihres 2008 verstorbenen Vaters für einen guten Zweck.

Filmstar Newman (mit der Rolex «Cosmograph Daytona» am Handgelenk), Tochter Nell, 1979 (Bild: Nell Newman)

Dieses befand sich am Handgelenk von James Cox. Cox war eine gewisse Zeit lang Nells Freund. Wie der «Hollywood Reporter» schreibt, schenkte ihm Paul Newman 1984 die Kult-Rolex, nachdem Cox mitgeholfen hatte, die Familienbaumhütte auf Newmans Grundstück in Westport, Connecticut, wieder herzurichten.

Cox wusste allerdings lange nichts von der Einzigartigkeit der Uhr. Als es ihm schliesslich dämmerte, bot er Nell, mit der er freundschaftlich verbunden blieb und auch für ihre Stiftung arbeitete, an, die Uhr zu versteigern.

Newmans Baumhütte in Westport, Connecticut. (Bild: Nell Newman)
Der Hollywoodstar wettete auf seine Rolex

Paul Newman selber erhielt die Rolex Ende der sechziger Jahre von seiner Frau Joanne Woodward geschenkt, als er mit dem Autorennsport begann. «Drive Carefully, Me.», hatte sie in die Uhr eingravieren lassen. Newman war ein begeisterter – und erfolgreicher – Rennfahren. Die Armbanduhr brauchte er vor allem zur Zeitmessung auf dem Rundkurs, sagt Tochter Nell im «Hollywood Reporter».

Der Superstar war ausserdem entzückt von der hohen Präzision des Schweizer Fabrikats. Mit Freunden wettete er gerne auf seine «Daytona»: Sie richteten gleichzeitig ihre Uhren, riefen später die zentrale Uhr per Telefon ab und verglichen, welcher Zeitmesser noch auf die Sekunde genau tickte. «Alle zogen die Uhren aus, starrten zum Telefon und mein Vater strich den Wetteinsatz ein», erinnert sich Nell Newman.

Hohe Erwartungen

Die baldige Versteigerung von Newmans Armbanduhr könnte in New York Rekorde brechen. Das Auktionshaus Phillips erwartete zunächst zwar eine nicht ganz so hohe Summe von zirka einer Million Dollar. Experten gehen indes davon aus, dass der Betrag viel höher sein wird. Manche sprechen von 5 Millionen, einige gar von 10 Millionen Dollar.

Wohl zu recht. Denn der bisher höchste Wert, der bei einer Versteigerung für eine Rolex «Cosmograph Daytona» erzielt wurde, liegt bei knapp 1,1 Millionen Dollar (2013). Nur war das eben nicht die Uhr, die Newman tatsächlich gehörte, sondern eine von den 4000 Stück, die Rolex damals von diesem Modell produzierte.