Wie geht Thriller?
Ein Glas Champagner,
Eier und Speck

Ein paar kurze, erhellende Einblicke ins Wesen des Thrillers und Informationen zum Ursprung und zum Durchbruch von James Bond und Co.

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Überraschung: Der Star mit der höchsten Rendite

Sie werden nie erraten, wer der erfolgreichste Schauspieler ist. Hier erfahren Sie es.

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Die Kunst der Action

Was macht eine gute Szene aus? In einer brillanten Analyse weihen uns die Experten von Cinefix in die Geheimnisse von guter Action ein.

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Diese Berühmtheiten zogen für «Playboy» nackt

Von Marilyn Monroe über Kim Basinger zu Lindsay Lohan: Anlässlich des Todes von «Playboy»-Gründer Hugh Hefner (91) zeigen wir euch die prominentesten Frauen auf dem Cover des Sex-Hefts.

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Die exklusive Liste der schlechtesten Filme erhält prominenten Zuwachs

«Mother!», der Intello-Horror von Meisterregisseur Darren Aronofsky, der soeben auch in der Schweiz angelaufen ist, hat von Cinemascore ein F-Rating erhalten. Seit der Gründung des Umfragedienstes gab es bloss für 19 Filme eine solch schlechte Bewertung.

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Paul Newmans Kult-Rolex und die Baumhütte

Experten erwarten von der Versteigerung einer legendären Rolex eine Rekordsumme. Auch, weil die Herkunft der Uhr besonders interessant ist.

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Sharon Stone: «Ich mag Hände und Finger» (Video)

So wunderbar sprach Schauspielerin Sharon Stone Anfang der neunziger Jahre für ihre berühmte Rolle in «Basic Instinct» vor.

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Die zehn besten Eröffnungsszenen der Filmgeschichte

Von John Wayne über Fightclub bis Truffaut: Die Spezialisten von Cinefix haben ein prickelndes Best-of von Filmanfängen zusammengeschnitten, das wir Euch nicht vorenthalten möchten. Nummer 8 ist unser Favorit!

Hier geht es zum Video:

https://www.youtube.com/watch?v=PnhZXELUmUs

 

 

 

 


Zauberhaft:
Der animierte
Van Gogh (Video)

Als ob Van Goghs Gemälde laufen gelernt hätten: Dieser Kinofilm schaut traumhaft aus.

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Der fabelhafte
Jerry Perenchio

In Amerika wird derzeit das teuerste Haus der Geschichte feilgeboten. Noch faszinierender als die sagenumwobene 350-Millionen-Villa ist die Biografie des öffentlichkeitsscheuen Eigentümers Jerry Perenchio. Er entdeckte Elton John, organisierte den «Kampf des Jahrhunderts» zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, produzierte «Blade Runner» und war Besitzer des grössten spanischsprachigen Fernsehsenders der USA.

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Der sonderbare
Nolan-Fall

Der Bruder von «Dunkirk»-Regisseur Christopher Nolan sieht sich seit Jahren mit Anschuldigungen konfrontiert, bei denen es um Auftragsmord geht.

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Rendezvous der Woche

Sophia Loren mit Elvis Presley, 1958. Die beiden kannten sich nicht. Loren erblickte Presley während der Mittagspause bei den Dreharbeiten von «King Creole» in den Paramount-Studios und stellte sich vor. Grosses Hallo! Glücklicherweise war ein Set-Fotograf zugegen, der das einzige Treffen der beiden auf fabelhafte Weise festhielt.

(B&C)


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Es ist eine kleine Sensation: Der erste Roman des erfolgreichsten Schweizer Schriftstellers, Joël Dicker, wird zur 10-teiligen Hollywood-Serie. Was hat Dicker, was andere nicht haben?

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Das Kunstwerk
des Hollywood-Stars,
der 9/11 voraussah

Ein Galerist behauptet, auf einem Gemälde von Anthony Quinn aus dem Jahr 1985 sei der Terror von 9/11 zu sehen. Tatsächlich erinnert das Bild auf gespenstische Weise an die Anschläge.

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Fünf Dinge, die in keinem Thriller fehlen, aber völlig gaga sind

Genau: Der Schalldämpfer macht Lärm, Autos können nicht explodieren.

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Traumpaare der Woche

Unsere Abteilung für unerwartete Ereignisse ist auf folgende zwei überraschende Bilder gestossen, die wir euch nicht vorenthalten möchten.

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Song-Entdeckungen, Teil 2

TV-Serien sind wahre Jukeboxen. In einer losen Serie stellen wir Euch jeweils Song-Perlen vor, auf die wir ohne Netflix und co. kaum gestossen wären.

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Gerade als Woody Allen so richtig leidenschaftlich in seine Klarinette bläst, stürmen Frauenrechtlerinnen auf die Bühne.

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Wahrer Wahn mit
Jack Nicholson (Video)

Ein Crew-Mitglied geht schon mal in Deckung: Wie sich der Schauspieler auf einen der einprägsamsten Einsätze der Filmgeschichte heiss macht, lässt einen beinahe mehr erschauern als die Szene selbst.

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Hochspannung:
10 Filmszenen,
die begeistern

Die Kollegen der amerikanischen Film-Site CineFix haben einen fantastischen Zusammenschnitt der 10 spannendsten Filmszenen veröffentlich. Wir sind begeistert, gratulieren und bedanken uns für diese 17 Minuten grösstes Kino!

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«Immer diese Scheiss-Rettungsschwimmer!»

Die wonder women von Malibu: Eine Ehrenrettung für «Baywatch».

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«Die Mädels standen Schlange»

Tom Cruise bewies schon vor seinem Durchbruch Starqualitäten.

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Aufgetaucht: Die einzige Aufnahme eines echten
Bruce-Lee-Kampfes

Für Kampfsport-, aber auch für Film-Fans ist es eine Sensation. Die knapp zweiminütige Aufnahme zeigt den legendären Kung-Fu-Kämpfer Lee (im hellen Körperschutz), wie er seinen Gegner (und Schüler) Ted Wong scheinbar mühelos bezwingt.

Hier geht es zum sagenhaften Video:

https://www.youtube.com/watch?v=tjh7IPVNc5w

Der Film wurde von «Breedy: Bruce Lee Central» entdeckt, aufbereitet und auf dem gleichnamigen Youtube-Kanal veröffentlicht. Experten gehen davon aus, dass der Kampf in Los Angeles aufgezeichnet wurde.

Die unverkennbaren Bewegungen liessen keine Zweifel offen, dass es sich um Bruce Lee handle.

Er hatte einen vom Kung Fu inspirierten eigenen Kampfstil entwickelt, der «Jeet Kune Do» genannt wird.

Lee wurde in Hong Kong geboren und in den siebziger Jahren mit seinen Kung-Fu-Filmen weltberühmt. Er löste den bis heute anhaltenden martial arts-Boom im Westen aus.

Lee starb 1973 mit 32 Jahren, nachdem er ein Schmerzmittel eingenommen hatte, das laut Obduktionsbericht eine allergische Reaktion und eine Hirnschwellung auslöste.

Nächstens werden zwei Filme über Bruce Lees Leben veröffentlicht. «Birth of the Dragon» und «Little Dragon».

(B&C)


Kein Witz: Netflix
will weniger Hits

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Wie gut sind die Serien wirklich?

Mit ausgeklügelten Geschichten, den interessantesten
Hauptdarstellern und einem aufwendigen Look begeistern
die TV-Serien der jüngsten Zeit Kritiker und Publikum.
Wir haben «Mad Men», «House of Cards» etc. sorgfältig
durchleuchtet und sind auf Mängel gestossen. Die grösste
Überraschung: Der leicht aus der Mode geratene Kinofilm
hat gegenüber den gefeierten Serien entscheidende Vorteile.

Von Antonio Gattoni

Es gab mal eine Zeit, da waren Serien etwas für Stubenhocker, waren etwa so angesagt wie Grossmamas Socken. Man hatte zwar seine Lieblingsserie, doch die teilte man nur unter vorgehaltener Hand unter seinesgleichen. Heute gehört das Seriengucken schon fast zum Sozialleben des durchschnittlich kulturell Interessierten. Das hat viel damit zu tun, dass moderne Serien wie «Breaking Bad» nicht mehr auf die Episode ausgerichtet sind, sondern zusammenhängende Geschichten erzählen und damit direkt das Kino konkurrenzieren.

Sind Serien aber wirklich besser als Kinofilme, wie oft behauptet wird? Bei genaue-rem Hinsehen zeigen sogar hochgelobte Serien überraschende Schwachpunkte. In der ersten Staffel drehen Hollywoods Krea-tive meist voll auf, geben alles. Sie wollen den Zuschauer bezirzen. Spätestens ab der zweiten Staffel haben die Serien allerdings dramaturgische Durchhalteprobleme: Sie kommen schnell an die Grenze der üblichen Dreiaktstruktur. Die Akte, von der Exposition über die Zuspitzung eines Konflikts bis zur Auflösung, können zwar über ganze Staffeln verteilt sein. Der Haupterzählbogen sollte aber erhalten bleiben wie etwa bei «Breaking Bad». Wird er vorher aufgelöst, sinkt die Spannung. «Homeland» etwa lebt von der Frage, ob Soldat Brody ein Terrorist ist, der für Islamisten ein Attentat plant, und von Carrie, die das zu verhindern versucht. Sobald das Geheimnis gelüftet ist, fällt der Spannungsbogen weg. Ab der dritten Staffel wird die Serie zu einer Fortsetzungsserie mit Carrie, die pro Staffel eine Mission löst, zuerst im Nahen Osten, in Pakistan und in der neusten Staffel in Berlin. Das war auch der Stolperstein von «24», in dem Jack Bauer in Echtzeit Terroristen hinterherhetzt: Das Prinzip wiederholte sich, ersetzt wurden nur die Terroristen.

Serien erzählen meist in die Horizontale, das heisst, statt die Haupthandlung voranzutreiben, werden zahlreiche Nebenhandlungen eingebaut. Das hat natürlich auch mit der Unsicherheit der Drehbuchautoren zu tun, die nie wissen, ob eine Serie noch fortgesetzt wird. In «House of Cards» intrigiert sich Senator Frank Underwood bis zum US-Präsidenten hoch. Doch sobald er ganz oben angelangt ist, am Ende der zweiten Staffel, ist sein Ziel erreicht. Gemäss Kinodramaturgie müsste nun nach dem Aufstieg der Fall, die Bestrafung erfolgen, wie bei einer Tragödie. Stattdessen darf Underwood eine ganze Staffel lang US-Präsident spielen, was nicht mehr so prickelnd ist.

Wie aber verlängert man eine Serie künstlich? Welche Tricks gibt es?

1. Lenke von der Handlung auf die Atmosphäre ab. David Lynch war mit «Twin Peaks» (1990) der Erste, der eine Serie wie einen Kinofilm inszenierte. Dies glückte ihm, indem er die Figuren so extravagant zeichnete und das Mystische derart betonte, dass die Aufklärung des Mordfalls zur Nebensache wurde. Von der düsteren Atmosphäre und dem eindringlichen Setting in Louisiana profitierte auch die erste Staffel der HBO-Serie «True Detective». Die Aufdeckung des Serienkiller-Falls tritt mit der Zeit in den Hintergrund, dafür die zwei ungleichen Cops nach vorn, besonders Matthew McConaughey als philosophierender Polizist. Die erste Staffel funktionierte auch deshalb so gut, weil alle acht Episoden vom gleichen Drehbuchautor (Nic Pizzolatto) und gleichen Regisseur (Cary Fukunaga) stammen. Das ist bei Serien eine Ausnahme. Auf die Dauer lässt sich eine solche atmosphärische Dichte aber nicht aufrechterhalten. So startet die zweite Staffel einfach wieder von vorn, mit drei neuen Polizisten, diesmal mit Los Angeles als Schauplatz. Doch das Momentum ist diesmal weg, die Figuren interagieren nicht, der komplizierte Mordfall erhält die Spannung nicht aufrecht.

Auf einen Zeit- statt einen Handlungsbogen setzte «Mad Men». Die Serie von Matthew Weiner über ein New Yorker Werbebüro in den 60ern lebt wesentlich vom Zeitgeist (es wird geraucht wie verrückt) und der exakten Designabbildung einer Epoche. Zentrale Ereignisse werden elegant in die Handlung eingebaut, etwa die Ermordung Kennedys. Hauptfigur ist Kreativchef Don Draper, inspiriert vom Marlboro-Man-Erfinder Draper Daniels. Aber auch «Mad Men» hat seine Durchhänger: Drapers Spagat zwischen Frauenheld und Familienvater wirkt auf die Dauer repetitiv.

2. Mach die Hauptfigur so abgründig wie möglich. Menschen, die die Grenze zum -Bösen überschreiten, sind vielschichtiger als aufrechte Helden. So wird Frank Underwood in «House of Cards» vom angepassten Senator zum rücksichtslosen Intriganten und Mörder, Chemielehrer Walter White in «Breaking Bad» vom Familienmenschen zum Drogendealer und Lügner, CIA-Agentin Carrie leidet an paranoider Schizo-phrenie, und selbst ein Werber (Don Draper in «Mad Men») hat ein dunkles Geheimnis. Wie diese Figuren ihre Arschlochseite herauskehren, ist für den Zuschauer ein Genuss. Doch dieses Spiel mit den Schattenseiten hat seine Gefahren: Irgendwann muss der Böse büssen oder er nervt. Carries paranoide Anfälle und irre Augen irritieren spätestens ab der zweiten Staffel von «Homeland». Franks mörderisches Tun nimmt ihm Sympathien und der Zuschauer erwartet Sühne. Von Chemielehrer White weiss man, dass er an Krebs sterben wird, das gibt seinem Tun zumindest einen zeitlichen Rahmen.

3. Strecke die Handlung mit zahlreichen Ministorys. «Breaking Bad» zeigt, wie sich White als Out-sider im gefährlichen Drogengeschäft durchsetzt und wie er es schafft, nicht erwischt zu werden. Das wäre wohl grundsätzlich zuwenig Stoff für fünf Staffeln bzw. 62 Episoden, doch die Autoren um Serienerfinder Vince Gilligan halten die Serie auf Speed. Sie bauen konstant nicht alltägliche Mikroprobleme in die Haupthandlung ein: Wie erledigt man sich einer Leiche? Wie organisiert man einen Drogendeal? Was tun, wenn die Frau erfährt, dass man ein Drogendealer ist? Sobald die Ministorys aber zu stark von der Haupthandlung abweichen, schwindet das Interesse. Whites Eheprobleme etwa lenken zu stark von der Haupthandlung ab. Auch «Homeland» verweilt in der dritten Staffel zu stark in Nebenhandlungen, etwa bei Brodys Drogensuchtabsturz in Caracas oder beim psychisch auffälligen Verhalten von Brodys Tochter. Und in «House of Cards» nimmt der Nebenplot um Stabschef Doug Stamper zu viel Platz ein. Es ist zwar einer der Vorteile von Serien, dass sie auch Nebenfiguren in die Tiefe entwickeln können, doch werden diese zu wichtig, kann das zu stark ablenken. Als Folge davon gibt es inzwischen Spin-off-Serien mit Nebenfiguren wie «Better Call Saul», die den vorlauten Anwalt aus «Breaking Bad» zur Hauptfigur hat.

4. Schockiere die Zuschauer mit unerwarteten Ereignissen. Dazu gehört etwa «Opfere eine wichtige Figur». Mit einem Brachialopfer endet die dritte Staffel von «Homeland», als Brody im Iran gehängt wird. Weil die Fortführung der Story mit ihm zu kompliziert wäre (er kann nicht in die USA zurückkehren), haben die Produzenten seinen Tod als Cliffhanger für die vierte Staffel genutzt. Allerdings war Brody ein warmer Ruhepol zur nervösen, kühlen Carrie. Eine  solche Figur fehlt nun, auch wenn Carries Mentor Saul als Ersatz aufgebaut wird. Ähnlich rigoros abserviert wird die ehrgeizige Journalistin Zoe in «House of Cards». Underwood stösst sie zu Beginn von Staffel zwei vor die U-Bahn. «Wir haben für jede Figur einen eigenen Handlungsbogen, wenn dieser in einer Sackgasse ist, dann beseitigen wir sie», sagt Beau Willimon, Autor von «House of Cards». Dass die einzige Gegenspielerin und Mitwisserin so früh wegfällt, ist aber riskant. So hat Underwood niemanden mehr, der ihm das Handwerk legen könnte. Im Notfall wird bei Serien auch im Dutzend gestorben, wenn es der Drehbuch-Gott will, vor allem am Ende einer Staffel. So scheuen «Homeland» und «Breaking Bad» auch nicht vor Massakern zurück, beim ersten ist es ein Attentat auf das CIA-Hauptquartier, beim zweiten ein Flugzeugcrash. Solche Knalleffekte halten eine Serie im Gespräch.

5. Bringe im Minutentakt Sex und Gewalt. Das ist das Prinzip von «Game of Thrones». Die HBO-Fantasy-Serie spielt in sieben Königreichen, in einer brutalen Zeit ähnlich dem Mittelalter und wird in mehreren Handlungslinien parallel erzählt, die alle ihre Konflikte und Höhepunkte haben. «Sopranos in Mittelerde» nannte Autor David Benioff, die Serie. So ist ein konstantes Feuerwerk an Gewalt und Sex garantiert und selbst beliebte Hauptfiguren wie Jon Snow werden brutal abgemurkst. Doch das Sterben und Paaren wirkt gewollt und führte zu Diskussionen, wie viel Brutalität überhaupt erlaubt ist.

6. Multipliziere die Hauptfiguren und Schauplätze. Mit acht Hauptfiguren und acht Schauplätzen trumpft die Netflix--Serie «Sense8» auf. Acht Menschen sind dabei transzendental miteinander verbunden und können gegenseitig ihr Leben beeinflussen. Die Wachowski-Geschwister («Matrix») führen dabei eine Idee weiter, die sie im Kinofilm «Cloud Atlas» nur beschränkt entwickeln konnten, weil so etwas schnell zu kompliziert wird. Im Serien-format sind hier keine Grenzen gesetzt.

Für solche Mehrfachhandlungen bieten sich Serien als ideales Testfeld an. Regisseure, Autoren und Produzenten müssen jetzt nur noch den Dreh finden, wie sie die Gesetzmässigkeiten der Spielfilmdramaturgie aushebeln können, ohne auf dem Nebengeleise zu landen oder zu durchschaubaren Tricks greifen zu müssen.

Mit diesem Dilemma bestens vertraut ist der Filmer David Fincher, ein Virtuose sowohl in der Disziplin des Kinofilms («The Social Network») als auch im Serien-Fach («House of Cards»). So sagte er kürzlich: «Das Gute an einem Film ist, dass einmal die Tür zugeht.»


Begegnung mit meinem Hollywood-Idol

Als Reporterin in Amerika spricht man mit zahlreichen
berühmten und interessanten Leuten. Was aber geschieht,
wenn man seine Hollywood-Heldin trifft?

Von Beatrice Schlag

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Sprünglis Sommer-Flirt mit Hollywood

Es war 1967, im «Summer of Love». Nie wieder konnte sich eine Schweizer Marke in einem Hollywoodfilm spektakulärer
präsentieren: Die weltberühmte Schokoladenfabrik
Lindt & Sprüngli stand im Zentrum der Ermittlungen
des fast ebenso bekannten «Inspector Clouseau».
Die Komödie ist in Vergessenheit geraten. Was ist geschehen?

Von Benjamin Bögli

Patron Rudolph R. Sprüngli legte das Schicksal seines Unternehmens für ein paar warme Sommertage in amerikanische Hände.

Am 13. Juli 1967 lieferte die Confiserie seines älteren Bruders Richard vom Zürcher Paradeplatz 58 «Fleischteller spez. Inkl. Salatteller und Dessert», 80 «Brötli», 58 Kaffee crème und «div. kalte Getränke» an die Seestrasse 207 nach Kilchberg.

Eigentlich war das kein ungewöhnlicher Vorgang, doch hier, in der weltberühmten Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli, verwirklichte sich eine bis heute einmalige Zusammenarbeit zwischen Hollywood und einem Schweizer Unternehmen.

Die Produktionsgesellschaft Mirisch Corporation, die zuvor Grosserfolge wie «Some Like It Hot» oder «West Side Story» produziert hatte, begann an diesem Donnerstag auf dem Fabrikgelände am Zürichsee die zentralen Szenen ihrer neuen, mehrere Millionen teuren Komödie «Inspector Clouseau» zu drehen. Die Aufnahmen gehörten zum dritten Film der Clouseau-Serie, die mit «Der rosarote Panther» (1963) und «Ein Schuss im Dunkeln» (1964) sehr erfolgreich -begonnen hatte.

Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete am darauffolgenden Montag (17. Juli 1967) unter dem Titel «Hollywood in der Schokoladen-
fabrik – Dreharbeiten für einen amerikanischen Unterhaltungsfilm», dass «jeder schweizerische Filmschaffende vor Neid erblassen könnte, wenn der die beinahe unbeschränkten Mittel der englisch-amerikanischen Drehequipe sähe und dazu die nicht über-wältigende efficiency noch in Betracht zöge».

«Zurich Express» aus Paris

Worauf die Schweizer Filmszene ebenfalls – und zwar bis heute – etwas neidisch sein dürfte, ist die charmante Leichtigkeit, mit der die beiden Drehbuchautoren Frank und Tom Waldmann («The Party») in «Inspector Clouseau» mit Schweizer Stereotypen spielten: «In einem Land, -indem der einzige natürliche Rohstoff Geld ist ...» (Drehbuchangabe) raubt eine internationale Gangsterbande an einem Samstag (ursprünglich war der 1. August vorgesehen) gleichzeitig die zwölf grössten Schweizer Banken aus. Die gestohlenen Millionen bringen sie nach Kilchberg in die Schokoladen-fabrik Lindt & Sprüngli und lassen die Banknoten-Bündel dort maschinell mit Lindt-Schokoladenpapier umwickeln. Das Geld, das jetzt ausschaut wie Tafelschokolade, wird nun in Lindt-Kleintransportern nach Basel gebracht, wo es auf einem Frachtschiff via Rhein ins Ausland geschmuggelt wird.

Der wie immer völlig inkompetente, aber mit einem -göttlich-zielführenden Instinkt gesegnete Jux-Inspektor Jacques
Clouseau reist im «Zurich Express» aus Paris an. Bei -einem kleinen Zwischenfall an einem Schweizer Bahnhof auf dem Land legt er ein öffentliches Telefon mit seinen Jackett-Knöpfen lahm, weil er kein Münz dabeihat.

Treffen im Zunfthaus

Freilich gelingt es ihm schliesslich, den Fall zu lösen. Es kommt während der rund zwanzig Minuten, in denen der Film in der Schweiz spielt, zu einigen köstlichen Szenen. Einmal beisst Clouseau in eine mit Geld gefüllte Lindt-Tafel und ruft: «Ich weiss gar nicht, weshalb ihr Schweizer so stolz auf eure Schokolade seid. Diese hier schmeckt nach ... nach altem Papier!» Etwas später präsentiert er der Presse triumphierend ein in Lindt-Milchschokolade gehülltes Geldbündel und fordert die Bevölkerung auf, jede Schokoladentafel auf ihren Inhalt zu prüfen. Wer darin Geld finde, erhalte dafür eine Tafel richtige Schokolade – umsonst! Selbstverständlich löst Clouseau damit einen weltweiten unkon-trollierbaren Run auf Lindt-Produkte aus.

Die Produktepräsenz in einem lustigen Hollywoodfilm ist der Traum jedes Marketing-Mannes. Wenn die eigene Marke, wie im Fall von Lindt, sogar eine Hauptrolle spielt und allein das Logo zusammengezählt drei Minuten und 54 Sekunden auf den Leinwänden von rund 30 000 Kinos auf der ganzen Welt erscheint, bedeutet das Gratiswerbung von unschätzbarem Wert.

Entsprechend kooperativ zeigte man sich bei Lindt & Sprüngli, als Louis J. Rachmil, Produzent der Mirisch Films, anklopfte. Aus den Unterlagen des Archivs von Lindt & Sprüngli geht hervor, dass die Zürcher der US-Filmcrew kostenlos «ihre Räumlichkeiten, Maschinen, die Schokoladen und die blauen Lieferwagen» zur Verfügung stellten. «Von der Wirkung dieses internationalen Films erwarten wir eine weltweite und positive Werbung für unsere Marke», ist der etwas nüchternen internen Korrespondenz zu entnehmen.

Am 12. Juli 1967, einen Tag vor Drehbeginn, luden die Mirisch Films den Werbechef von Lindt & Sprüngli mit seiner Gattin zur «Buffet Recep-tion» im Zürcher Zunfthaus zur Meise ein, um ihre «Dankbarkeit für die Unterstützung der kommenden Dreharbeiten auszudrücken». Die beiden sollten bei dieser Gelegenheit auch Bekanntschaft mit dem Regisseur und den Darstellern von «Inspector Clouseau» machen.

Zu einem Treffen zwischen Schokoladenfabrikant Rudolph R. Sprüngli und den Verantwortlichen der «kleinen, friedlichen Invasion» aus Holly-wood kam es allerdings nicht, wie aus einem Brief von Produzent Rachmil an den «Direktionspräsidenten» hervorgeht. Darin bedauert er, nicht das «Privileg» gehabt zu haben, Sprüngli persönlich kennenzulernen.

Die Dreharbeiten in der Schweiz dauerten zehn Tage. Der Starttermin von «Inspector Clouseau» wurde in Amerika auf den Sommer, in Europa auf den Herbst 1968 angesetzt. In der Schweiz feierte der Film am 2. Oktober im Zürcher Kino Urban Premiere.

Arkin verging der Appetit

Weshalb aber ist «Inspector Clouseau», im Gegensatz zu den äusserst beliebten früheren und späteren Clouseau-Krimis, heute kaum jemandem bekannt?

Der Film war ein Flop. Das Drehbuch hatte zwar -alles, was es für eine -gelungene Clou-seau-Komödie brauchte, doch Regisseur und Clouseau-Erfinder Blake Edwards und Hauptdarsteller -Peter Sellers waren diesmal nicht dabei. Die Produktionsfirma Mirisch wollte den Film unbedingt 1967 machen, auch wenn sie auf Edwards und -Sellers verzichten musste, die zur selben Zeit «The Party» drehten, jene Komödie, die bis heute als eine der besten gilt und «Inspector Clouseau» wohl die Show stahl.

Mirisch Films verpflichtete stattdessen den im August verstorbenen Regisseur Bud Yorkin und die Rolle von Jacques Clouseau ging an Alan Arkin. Der Amerikaner Arkin, 2007 mit einem Oscar für «Little Miss Sunshine» ausgezeichnet, war damals ein gefeierter Komiker, der mit dem Film «The Russians Are Coming, the Russians Are Coming» den Durchbruch schaffte. Allerdings konnte er beim Publikum mit dieser neuen Rolle, die er durchaus gekonnt spielte, eigentlich nur verlieren. Die Figur Jacques Clouseau war und ist bis heute zu stark mit Peter Sellers verknüpft. Sellers erlangte dank dem verrückten Inspektor Kultstatus und umgekehrt.

Die Firma Lindt & Sprüngli musste für ihren einzigartigen Auftritt in einem Hollywoodfilm zwar nichts bezahlen, nach den Dreharbeiten nahm man aber beträchtliche Aufwendungen in Kauf, um die Marke Lindt bei der Lancierung des Films optimal zu positionieren. Für Besprechungen traf man sich im Hotel Alexander in Thalwil und einmal in der Zürcher Kronenhalle zu einem Promotions-Meeting mit Swissair, der Schweizerischen Verkehrszentrale, SBB und United Artists, die Hollywoodfirma, die als weltweiter Verleiher den Film in die Kinos brachte.

In einem Brief des amerikanischen Schokoladenproduktionspartners an Sprüngli heisst es, dass der Markenauftritt im Film «der wichtigste PR-Effort aller Zeiten für den Namen Lindt werden könnte, vor allem in den USA». Hierzu wurden extra 1000 Lindt-Schoko-Schachteln mit Clouseau-Aufdruck, 20 000 «Ausstellungscartons à 12 Tafeln», ebenfalls mit einem Clouseau-Sujet versehen, und 100 000 Stück Schokoladenpapier als Werbematerial für die Verkaufsläden produziert. Im Marketingkonzept ist vermerkt, dass «selten ein Produkt in einem Film einen derart prominenten Auftritt hat wie Lindt-Schokolade in ‹Inspector Clouseau›».

Eine amüsante Anfrage der Amerikaner, ob man für ---Wer--bung gefälschte Schweizer Bank-noten drucken könne, wurde indes schnell verworfen, da die Nationalbank eine solche Möglichkeit «in keiner Weise» erlaubte.

Überhaupt war es schwierig für die Produktionsgesellschaft, die Banken als Drehorte zu gewinnen, weil es natürlich schlecht für das Image ist, wenn sich die für ihre Sicherheit weltbekannten Schweizer Banken auf einen Schlag ausrauben lassen. Man liess sich dann davon überzeugen, dass es sich bei «Inspector Clouseau» um eine Komödie handle und das nicht ernst genommen werde. So spielen ein paar Szenen auch im Hauptgebäude der heutigen UBS am Paradeplatz, im Film «Bank of Zurich» genannt.

Zu einer vorübergehenden Verstimmung bei Sprünglis Flirt mit Hollywood kam es, als dem Star des Films, Alan Arkin, der Appetit auf Lindt-Schokolade plötzlich verging. Anfänglich war er ein grosser Lindt-Fan.

In einem von Hand unterzeichneten Schreiben an den Schweizer Schokoladenfabrikanten schwärmte er: «Dear Friend, ich möchte zum Ausdruck bringen, wie sehr ich es genossen habe, zusammen mit Lindt Swiss Chocolate in meiner neuen Komödie ‹Inspector Clouseau› die Hauptrolle zu spielen.» Und weiter: «Ich liebe Lindt Swiss Chocolates. Ich hoffe, der Film wird viele, viele Leute dazu inspirieren, mehr Lindt Swiss Chocolates zu essen. Dies wird ihnen zusätzlich Vergnügen bereiten, so, wie es bei mir der Fall war.»

Im Juni 1968, als die Promotion des Films auf Hochtouren lief, meldete sich aber plötzlich Alan Arkins Anwalt, der Lindt & Sprüngli untersagte, einen Teil des Werbematerials, auf dem Arkin alias Inspector Clouseau Lindt-Schokolade lobt, weiter zu veröffentlichen.

Offenbar war es zwischen der amerikanischen PR-Agentur und dem US-Ableger von Sprüngli zu einem Missverständnis gekommen: Man verwendete Arkins Namen ohne dessen definitive Zusage. Schliesslich einigte man sich in diesem Mini-Rechtsstreit im Januar 1969: Lindt & Sprüngli zahlte Alan Arkin 1000 Dollar.

«Inspector Clouseau», die 96-minütige, sehenswerte Krimikomödie, verewigte Lindt & Sprüngli in Hollywood auf spektakuläre Weise. Der Erfolg blieb dem Film vergönnt und er geriet wohl deshalb beim Zürcher Schokoladenfabrikanten und beim Publikum in Vergessenheit. Erst vor ein paar Jahren wurde die mittlerweile über 40-jährige Produktion als DVD in die Reihe der anderen Clouseau-Filme mit Peter Sellers in der Hauptrolle aufgenommen. Den Film kann man online, zum Beispiel bei Amazon oder Cede.ch, bestellen.


Fernsehkrimis
in der Psycho-Falle?

Was hat eigentlich das allgegenwärtige Privatleben bei den
Ermittlungen der TV-Kommissare und -Kommissarinnen
von «Tatort» et cetera verloren? Ist es eine Bereicherung des Fernsehabends?

Von Wolfram Knorr

Harry, hol schon mal den -Wagen» war das Emotionalste, was Oberinspektor Derrick (Horst Tappert) seinem Assistenten Harry Klein (Fritz Wepper) zumutete, obwohl der legendäre Spruch so in keinem Drehbuch stand. Ist auch unerheblich, weil schon das Gerücht die Beziehung der TV-Krimi-Helden zu ihrer sozialen Umwelt von der Adenauer- bis zur Kohl-Ära treffend charakterisierte. Privatleben war Dienstleben, tütelige Sekretärinnen nicht weniger autoritär zu führen wie die stichwortgebenden Lakaien, («Der Kommissar» hatte gleich drei!). Alle Oberinspektoren verfuhren – vornehmlich natürlich den Verdächtigen gegenüber – wie Nachfahren der schwarzen Pädagogik.

In den 80er-Jahren begann mit Horst Schimanski (Götz George) als Dortmunder «Tatort»-Hauptkommissar der Aufstand gegen das Zucht- und Ordnungsregime altdeutscher Hackenschlag-Mentalität. Der Mann im Parka verhielt sich liederlich («Scheisse!»), auch zwischen den Laken mancher Damen. Da bestellte kein Oberlehrer mehr Zeitgenossen ins Büro, sondern karriolte ein Berserker durch den Ruhrpott. Der Bauch wurde so wichtig wie der Kopf. Der Kopf bestimmte lange den politischen Kurs, auch in der Unterhaltung; der Bauch führte zu einer Kurskorrektur. Die Autorität trat vom Lehrerpodest in den Klassenraum, zwischen die Schüler, und nahm sie menschlich wahr.

Der Kriminalfall wird alltäglich

Die TV-Kommissare von altem Schrot und Korn kannten weder einen lästigen Sexual-trieb noch Kinder als Klotz am Bein. Ablenkung von kriminalistischen Aufklärungen gab es nicht; nur Macken der Aufklärer. Vom hochherrschaftlichen Bügelfalten-Fatzke à la «Derrick» über die Glatze (Kojak) bis zum zerknitterten Trenchcoat (Columbo) und dem Dackel (Bayrhammer).

Inzwischen sind sie dubiosen Familien-verhältnissen gewichen. Heute sind viele Verbrechensaufklärer Scheidungskrüppel mit missratenen Kindern im Genick. Alleinerziehende Väter haben pubertierende Ungeheuer von Töchtern. Vor allem in den 90er-Jahren explodierte der bürgerliche «Werteverfall». Jürgen Heinrich als Wolff («Wolffs Revier») wurde von seiner minderjährigen Tochter von Schulschwänz-Exzessen bis zu Sex-, Koks- und Punker-Abenteuern fast um den Verstand gebracht; zumindest ging es dem Zuschauer so. Über den «Tatort», den beliebtesten aller Krimiserien, hiess es einmal, er sei ein «Seismograf deutscher Befindlichkeit». Es ist vor allem der Nimbus des Alltäglichen in Momenten des Aussergewöhnlichen (ein Mord), der, neben der Wiederkehr des Immergleichen, die Mehrheit der Zuschauer glauben lässt, die Kunstfiguren (Kommissare) verschränkten sich mit dem wirklichen Leben. Gerade ihr inflationärer Einsatz, vom Vorabend bis in die Nacht, steigert die wahrnehmbare Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von Natur und Artefakt.

Die Hauptkommissare und -Kommissarinnen werden fast zu Untermietern in den TV-Haushalten. Indem die Krimi-serien auf die zunehmenden Selbstbehauptungen und Revolten der Halbwüchsigen reagieren und sie als Familienanhängsel integrieren, erhöhen sie zugleich den Reiz, das Besondere (den Kriminalfall, um den sich Vater oder Mutter kümmern muss) alltäglich zu machen, das Unerhörte ins Gewöhnliche einzubetten.

Natürlich kam die Inspiration auch von aussen, von US- und Brit-Serien, doch mitentscheidend waren auch die Daily -Soaps und therapeutischen Neurotiker-Se-rien, die Drehbuchautoren dazu trieben, das halbwüchsige Schulkind ins familiäre Umfeld der Ermittler zu integrieren. Der sogenannte Live-Charakter, der mit der generellen Ausrichtung des Mediums verbunden wird, wirkt wesentlich glaubhafter, wenn die Kommissare und ihre weiblichen Pendants auch ihre «Szenen einer Ehe» durchleben. Erst dann blickt man ins gestresste Innen-leben eines aktuellen und überzeugenden Ermittlers. In der «Tatort»-Konkurrenz «Polizeiruf 110», in «Taubers Angst», fährt Jo Obermaier (Michaela May) mit ihrem türkischen (!) Mann Tarek (Tayfun Bademsoy) zu einer Hochzeit aufs Land. Der Gatte ist KFZ-Mechaniker und beide demonstrieren auf der Fahrt, dass der Kopf zwar die Sätze auslöst, aber der Bauch ein durchaus schöpferischer Winkel ist: Man ist so richtig multikulti auf gemeinsamer Harmonie; auch später noch auf der Hochzeit – doch dann kommt der Anruf von Kollege Jürgen Tauber (Edgar Selge), dem einarmigen und nicht gerade einfachen Kollegen. Die Ruh’ ist hin, der Ernst beginnt, und auch Tarek reagiert mit Unverständnis.

Und die Ehe?

So geht es mit allen. Peter Faber (Jörg Hartmann) vom «Tatort» Dortmund, hat Frau und Kind bei einem Unfall verloren und ist deshalb depressiv und verhält sich unberechenbar. Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt), Hauptkommissarin in Dortmund, ist Ehefrau und Mutter zweier halbwüchsiger Söhne (12 und 16 Jahre). Ihre Ehe funktioniert natürlich nur mehr schlecht als recht. Die Arbeit geht eben doch vor. In dieser Hinsicht tragen sie Rudimente ihrer autoritären Vorgänger à la «Derrick» noch in sich. Lindholm (Maria Furtwängler) vom «Tatort» Hannover lebt zwar allein, leistet sich aber heftige Affären, Inga Lürsen (Sabine Postel) ist geschieden und bekennende Rabenmutter, und Hauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) vom «Tatort» Köln ist ein richtiges Familientier, verheiratet und Vater zweier Töchter. Aber auch er hat seine Konflikte, die mehrheitlich am Telefon geschlichtet werden. Die Reihe dieser typischen Durchschnittsmenschen, die sich freiwillig in dem gefährlichen Beruf befinden und trotzdem ganz bürgerlich leben wollen, liesse sich fortsetzen. Kein Genre ist so zeitbezogen wie der -Krimi; er ist die Radarantenne für Bewusstseinsveränderungen, die auf gesellschaftliche Umbrüche sofort reagiert. Von der heiligen Kuh des Abendlands, genannt «Ehe und Familie», hielt er sich trotzdem lange fern, auch wenn sie im zwischenmenschlichen Zentrum steht.

Der Grund liegt in der intellektuellen Athletik (Sherlock Holmes) der Gattung, die eine Emotionalisierung für spiessig hielt. Erst als die Wirklichkeit über sie herfiel, konnte sie sich ihr nicht mehr entziehen und musste akzeptieren, dass auch Cops, Detektive, Beamte nicht anders leben als der Rest der Menschheit, mit Familie und den dazugehörenden Konflikten. Der Krimi näherte sich der Jedermanns-Realität. Für manche Autoren ein Auflösungsprozess, für andere eine Chance, in die literarische Belle Etage aufzusteigen. Für den seriellen TV-Krimi bleibt die Hinwendung zur Einverleibung privaten Verhaltens zweischneidig. Sie bedeutet eine Annabelung an die Serie, aber keine gleichzeitige Annäherung an eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.

Mutter und Tochter auf der Jagd

Die Einbeziehung des Privatlebens in die Ermittlungen hat zur Folge, dass die Autoren nicht so genau mit gerichtsrelevanten Fakten sein müssen; meistens reichen den Ermittlern «Ahnungen». Der Zuschauer kennt das. Er hat ständig «Ahnungen»: über die Partner, Kollegen, Chefs. Die jüngste TV-Kreation heisst «Die Wallensteins», spielt in Dresden und die Kommissarinnen sind Mutter und Tochter (!). Bei den Mörderjagden lässt sich folglich wunderbar Gezänk und Gezicke einbauen. Der Generationenkonflikt, ausgelebt am Tatort. Dass der Serienkrimi damit wieder von der Wirklichkeit Richtung Familienserie abdriftet, kann nicht schaden.


Leo Feuerstein

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