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Das Theater
schafft sich ab

Das Interesse der Regisseure lässt nach, die Texte alter Meister
kongenial umzusetzen. Für die Schauspieler und das Publikum
heisst das: mehr Eintönigkeit, weniger Vielfalt.

Von Max Simonischek 

Theater = A spielt B, und C schaut zu. Diese ein-fache Formel beschreibt Theater schon seit über 2000 Jahren.

Was mich beschäftigt: Spielt A noch B? Setzen sich die Schauspieler und Regisseure ernsthaft und intensiv genug mit der Sprache von Schiller, Kafka oder Horvath auseinander? Sind die Lust und das Interesse im Theater noch vorhanden, das Spiel – wie eine Figur geht, wie sie lacht, wie sie spricht – zu entwickeln?

Leider nein, was mich ärgert. Ein Schiller- oder Shakes-peare-Stück wie «Maria Stuart» oder «Hamlet» wird heute in durchschnittlich sechs Wochen zur Premiere gebracht. Die Zeit zur detaillierten Ausarbeitung der Rolle fehlt. Die Geduld, Charaktere zu formen, ist dem schnellen, ergebnisorientierten -Arbeiten gewichen. Das ist unbegreiflich. Denn schon jede mittelmässige amerikanische TV-Serie führt uns inzwischen vor, wie bereichernd und spannend bis in die kleinste Nebenrolle sorgfältig ausgetüftelte Rollen sein können.

Ich erlebe, dass die Bereitschaft schwindet, sich auf der Bühne mit dem Zeitgeist der Stücke, den Nöten und Chancen der Menschen, deren damaligem Weltbild und Existenz, auseinanderzusetzen. Wo bleibt die Vertiefung in die Vielschichtigkeit der – uns heute fremd gewordenen – Sprache, die eigentliche DNA der Texte?

Wer kann sich heute noch des einzigartigen Versmasses bedienen oder ist sich dessen wenigstens bewusst? Es ist nicht verwegen, anzunehmen, dass sich die alten Meister beim Schreiben etwas gedacht haben. Es könnte sich also durchaus lohnen, ihnen auf die Schliche zu kommen!

Die Vielfalt, die Einzigartigkeit der Stoffe, die im Figurenspiel aufgehen, halten das Theater am Leben. Eintönigkeit schafft es ab. Sich mit dem Ur-Sound der Meister zu befassen, zu lernen, ist aber in Verruf geraten. Zeitgeistige Interpretationen sind angesagt. Jung sein ist gefragt.

Dazu arbeiten Regisseur und Dramaturg mit Tricks.  Sie vermuten, den Zuschauer mit lauter Musik, Schauspielern, die – notfalls nackt – dreimal im Kreis herumrennen, bei der Stange zu halten. Die Nebelmaschine rattert dabei auf Hochtouren.

Ein Irrglaube. Man erreicht dadurch – im besten Fall – schöne Bilder, kurzlebige Effekte und meistens viel Schweiss. Leider nur bei denen, die auf der Bühne stehen.

Und noch eine Strömung droht das Schauspiel zu erdrücken: Statt zuerst nach den Absichten des Schriftstellers zu fragen, setzen die Theater-macher sofort ihre persönlichen Anliegen mit dem Stück ins Verhältnis. Gern wählt man dafür so komplexe Problematiken wie nur möglich, die an einem Theaterabend thematisiert werden sollen.

Ganz oben auf der Beliebtheits-Problemskala rangieren aktuelle, weltpolitische Inhalte, in denen sich alle Beteiligten gar nicht mal so gut auskennen müssen. Nicht kleckern ist das Motto, sondern klotzen. Am besten immer mit anklagender Haltung, am liebsten dem Kapitalismus gegenüber. Denn je ahnungsloser wir und auch das Publikum sind, desto leichter ist es, Zustimmung für Schuldzuweisung zu finden.

Zynischer Anspruch

Das Theater scheint zu einer Problembörse mutiert.

Klar, am liebsten wäre mir auch, wenn ich heute auf der Probebühne den Welthunger stillte, morgen mit einer Lesung den Israel-Palästina-Konflikt löste und durch die beiden Vorstellungen am Wochenende alle Flüchtlinge unterbrächte. Ich finde es geradezu zynisch zu glauben, dass das Theater Antworten auf solche Fragen geben kann.

Was es aber kann, ist eine Parallelwelt schaffen, aus der wir Hoffnung gewinnen, in der wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen, an uns zweifeln dürfen  und aus all dem Nutzen für unser Leben ziehen können. Diese Welten, diese Figuren schaffen wir mit unserer Fantasie, mit unserer Vorstellungskraft und Spielfreude.

Und natürlich auch dank den brillanten Texten der alten Meister.

Der Schauspieler Max Simonischek, geb. 1982 in Berlin, spielt an den renommiertesten deutschsprachigen Bühnen. Zuletzt in der Schweiz spielte er im Zürcher Theater Neumarkt «Der Bau» von Franz -Kafka. Simonischek ist auch in verschiedenen deutschen und Schweizer Spielfilmen («Hindenburg», «Akte Grüninger», «Verdingbub», «Gotthard») zu sehen.