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Sprünglis Sommer-Flirt mit Hollywood

Es war 1967, im «Summer of Love». Nie wieder konnte sich eine Schweizer Marke in einem Hollywoodfilm spektakulärer
präsentieren: Die weltberühmte Schokoladenfabrik
Lindt & Sprüngli stand im Zentrum der Ermittlungen
des fast ebenso bekannten «Inspector Clouseau».
Die Komödie ist in Vergessenheit geraten. Was ist geschehen?

Von Benjamin Bögli

Patron Rudolph R. Sprüngli legte das Schicksal seines Unternehmens für ein paar warme Sommertage in amerikanische Hände.

Am 13. Juli 1967 lieferte die Confiserie seines älteren Bruders Richard vom Zürcher Paradeplatz 58 «Fleischteller spez. Inkl. Salatteller und Dessert», 80 «Brötli», 58 Kaffee crème und «div. kalte Getränke» an die Seestrasse 207 nach Kilchberg.

Eigentlich war das kein ungewöhnlicher Vorgang, doch hier, in der weltberühmten Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli, verwirklichte sich eine bis heute einmalige Zusammenarbeit zwischen Hollywood und einem Schweizer Unternehmen.

Die Produktionsgesellschaft Mirisch Corporation, die zuvor Grosserfolge wie «Some Like It Hot» oder «West Side Story» produziert hatte, begann an diesem Donnerstag auf dem Fabrikgelände am Zürichsee die zentralen Szenen ihrer neuen, mehrere Millionen teuren Komödie «Inspector Clouseau» zu drehen. Die Aufnahmen gehörten zum dritten Film der Clouseau-Serie, die mit «Der rosarote Panther» (1963) und «Ein Schuss im Dunkeln» (1964) sehr erfolgreich -begonnen hatte.

Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete am darauffolgenden Montag (17. Juli 1967) unter dem Titel «Hollywood in der Schokoladen-
fabrik – Dreharbeiten für einen amerikanischen Unterhaltungsfilm», dass «jeder schweizerische Filmschaffende vor Neid erblassen könnte, wenn der die beinahe unbeschränkten Mittel der englisch-amerikanischen Drehequipe sähe und dazu die nicht über-wältigende efficiency noch in Betracht zöge».

«Zurich Express» aus Paris

Worauf die Schweizer Filmszene ebenfalls – und zwar bis heute – etwas neidisch sein dürfte, ist die charmante Leichtigkeit, mit der die beiden Drehbuchautoren Frank und Tom Waldmann («The Party») in «Inspector Clouseau» mit Schweizer Stereotypen spielten: «In einem Land, -indem der einzige natürliche Rohstoff Geld ist ...» (Drehbuchangabe) raubt eine internationale Gangsterbande an einem Samstag (ursprünglich war der 1. August vorgesehen) gleichzeitig die zwölf grössten Schweizer Banken aus. Die gestohlenen Millionen bringen sie nach Kilchberg in die Schokoladen-fabrik Lindt & Sprüngli und lassen die Banknoten-Bündel dort maschinell mit Lindt-Schokoladenpapier umwickeln. Das Geld, das jetzt ausschaut wie Tafelschokolade, wird nun in Lindt-Kleintransportern nach Basel gebracht, wo es auf einem Frachtschiff via Rhein ins Ausland geschmuggelt wird.

Der wie immer völlig inkompetente, aber mit einem -göttlich-zielführenden Instinkt gesegnete Jux-Inspektor Jacques
Clouseau reist im «Zurich Express» aus Paris an. Bei -einem kleinen Zwischenfall an einem Schweizer Bahnhof auf dem Land legt er ein öffentliches Telefon mit seinen Jackett-Knöpfen lahm, weil er kein Münz dabeihat.

Treffen im Zunfthaus

Freilich gelingt es ihm schliesslich, den Fall zu lösen. Es kommt während der rund zwanzig Minuten, in denen der Film in der Schweiz spielt, zu einigen köstlichen Szenen. Einmal beisst Clouseau in eine mit Geld gefüllte Lindt-Tafel und ruft: «Ich weiss gar nicht, weshalb ihr Schweizer so stolz auf eure Schokolade seid. Diese hier schmeckt nach ... nach altem Papier!» Etwas später präsentiert er der Presse triumphierend ein in Lindt-Milchschokolade gehülltes Geldbündel und fordert die Bevölkerung auf, jede Schokoladentafel auf ihren Inhalt zu prüfen. Wer darin Geld finde, erhalte dafür eine Tafel richtige Schokolade – umsonst! Selbstverständlich löst Clouseau damit einen weltweiten unkon-trollierbaren Run auf Lindt-Produkte aus.

Die Produktepräsenz in einem lustigen Hollywoodfilm ist der Traum jedes Marketing-Mannes. Wenn die eigene Marke, wie im Fall von Lindt, sogar eine Hauptrolle spielt und allein das Logo zusammengezählt drei Minuten und 54 Sekunden auf den Leinwänden von rund 30 000 Kinos auf der ganzen Welt erscheint, bedeutet das Gratiswerbung von unschätzbarem Wert.

Entsprechend kooperativ zeigte man sich bei Lindt & Sprüngli, als Louis J. Rachmil, Produzent der Mirisch Films, anklopfte. Aus den Unterlagen des Archivs von Lindt & Sprüngli geht hervor, dass die Zürcher der US-Filmcrew kostenlos «ihre Räumlichkeiten, Maschinen, die Schokoladen und die blauen Lieferwagen» zur Verfügung stellten. «Von der Wirkung dieses internationalen Films erwarten wir eine weltweite und positive Werbung für unsere Marke», ist der etwas nüchternen internen Korrespondenz zu entnehmen.

Am 12. Juli 1967, einen Tag vor Drehbeginn, luden die Mirisch Films den Werbechef von Lindt & Sprüngli mit seiner Gattin zur «Buffet Recep-tion» im Zürcher Zunfthaus zur Meise ein, um ihre «Dankbarkeit für die Unterstützung der kommenden Dreharbeiten auszudrücken». Die beiden sollten bei dieser Gelegenheit auch Bekanntschaft mit dem Regisseur und den Darstellern von «Inspector Clouseau» machen.

Zu einem Treffen zwischen Schokoladenfabrikant Rudolph R. Sprüngli und den Verantwortlichen der «kleinen, friedlichen Invasion» aus Holly-wood kam es allerdings nicht, wie aus einem Brief von Produzent Rachmil an den «Direktionspräsidenten» hervorgeht. Darin bedauert er, nicht das «Privileg» gehabt zu haben, Sprüngli persönlich kennenzulernen.

Die Dreharbeiten in der Schweiz dauerten zehn Tage. Der Starttermin von «Inspector Clouseau» wurde in Amerika auf den Sommer, in Europa auf den Herbst 1968 angesetzt. In der Schweiz feierte der Film am 2. Oktober im Zürcher Kino Urban Premiere.

Arkin verging der Appetit

Weshalb aber ist «Inspector Clouseau», im Gegensatz zu den äusserst beliebten früheren und späteren Clouseau-Krimis, heute kaum jemandem bekannt?

Der Film war ein Flop. Das Drehbuch hatte zwar -alles, was es für eine -gelungene Clou-seau-Komödie brauchte, doch Regisseur und Clouseau-Erfinder Blake Edwards und Hauptdarsteller -Peter Sellers waren diesmal nicht dabei. Die Produktionsfirma Mirisch wollte den Film unbedingt 1967 machen, auch wenn sie auf Edwards und -Sellers verzichten musste, die zur selben Zeit «The Party» drehten, jene Komödie, die bis heute als eine der besten gilt und «Inspector Clouseau» wohl die Show stahl.

Mirisch Films verpflichtete stattdessen den im August verstorbenen Regisseur Bud Yorkin und die Rolle von Jacques Clouseau ging an Alan Arkin. Der Amerikaner Arkin, 2007 mit einem Oscar für «Little Miss Sunshine» ausgezeichnet, war damals ein gefeierter Komiker, der mit dem Film «The Russians Are Coming, the Russians Are Coming» den Durchbruch schaffte. Allerdings konnte er beim Publikum mit dieser neuen Rolle, die er durchaus gekonnt spielte, eigentlich nur verlieren. Die Figur Jacques Clouseau war und ist bis heute zu stark mit Peter Sellers verknüpft. Sellers erlangte dank dem verrückten Inspektor Kultstatus und umgekehrt.

Die Firma Lindt & Sprüngli musste für ihren einzigartigen Auftritt in einem Hollywoodfilm zwar nichts bezahlen, nach den Dreharbeiten nahm man aber beträchtliche Aufwendungen in Kauf, um die Marke Lindt bei der Lancierung des Films optimal zu positionieren. Für Besprechungen traf man sich im Hotel Alexander in Thalwil und einmal in der Zürcher Kronenhalle zu einem Promotions-Meeting mit Swissair, der Schweizerischen Verkehrszentrale, SBB und United Artists, die Hollywoodfirma, die als weltweiter Verleiher den Film in die Kinos brachte.

In einem Brief des amerikanischen Schokoladenproduktionspartners an Sprüngli heisst es, dass der Markenauftritt im Film «der wichtigste PR-Effort aller Zeiten für den Namen Lindt werden könnte, vor allem in den USA». Hierzu wurden extra 1000 Lindt-Schoko-Schachteln mit Clouseau-Aufdruck, 20 000 «Ausstellungscartons à 12 Tafeln», ebenfalls mit einem Clouseau-Sujet versehen, und 100 000 Stück Schokoladenpapier als Werbematerial für die Verkaufsläden produziert. Im Marketingkonzept ist vermerkt, dass «selten ein Produkt in einem Film einen derart prominenten Auftritt hat wie Lindt-Schokolade in ‹Inspector Clouseau›».

Eine amüsante Anfrage der Amerikaner, ob man für ---Wer--bung gefälschte Schweizer Bank-noten drucken könne, wurde indes schnell verworfen, da die Nationalbank eine solche Möglichkeit «in keiner Weise» erlaubte.

Überhaupt war es schwierig für die Produktionsgesellschaft, die Banken als Drehorte zu gewinnen, weil es natürlich schlecht für das Image ist, wenn sich die für ihre Sicherheit weltbekannten Schweizer Banken auf einen Schlag ausrauben lassen. Man liess sich dann davon überzeugen, dass es sich bei «Inspector Clouseau» um eine Komödie handle und das nicht ernst genommen werde. So spielen ein paar Szenen auch im Hauptgebäude der heutigen UBS am Paradeplatz, im Film «Bank of Zurich» genannt.

Zu einer vorübergehenden Verstimmung bei Sprünglis Flirt mit Hollywood kam es, als dem Star des Films, Alan Arkin, der Appetit auf Lindt-Schokolade plötzlich verging. Anfänglich war er ein grosser Lindt-Fan.

In einem von Hand unterzeichneten Schreiben an den Schweizer Schokoladenfabrikanten schwärmte er: «Dear Friend, ich möchte zum Ausdruck bringen, wie sehr ich es genossen habe, zusammen mit Lindt Swiss Chocolate in meiner neuen Komödie ‹Inspector Clouseau› die Hauptrolle zu spielen.» Und weiter: «Ich liebe Lindt Swiss Chocolates. Ich hoffe, der Film wird viele, viele Leute dazu inspirieren, mehr Lindt Swiss Chocolates zu essen. Dies wird ihnen zusätzlich Vergnügen bereiten, so, wie es bei mir der Fall war.»

Im Juni 1968, als die Promotion des Films auf Hochtouren lief, meldete sich aber plötzlich Alan Arkins Anwalt, der Lindt & Sprüngli untersagte, einen Teil des Werbematerials, auf dem Arkin alias Inspector Clouseau Lindt-Schokolade lobt, weiter zu veröffentlichen.

Offenbar war es zwischen der amerikanischen PR-Agentur und dem US-Ableger von Sprüngli zu einem Missverständnis gekommen: Man verwendete Arkins Namen ohne dessen definitive Zusage. Schliesslich einigte man sich in diesem Mini-Rechtsstreit im Januar 1969: Lindt & Sprüngli zahlte Alan Arkin 1000 Dollar.

«Inspector Clouseau», die 96-minütige, sehenswerte Krimikomödie, verewigte Lindt & Sprüngli in Hollywood auf spektakuläre Weise. Der Erfolg blieb dem Film vergönnt und er geriet wohl deshalb beim Zürcher Schokoladenfabrikanten und beim Publikum in Vergessenheit. Erst vor ein paar Jahren wurde die mittlerweile über 40-jährige Produktion als DVD in die Reihe der anderen Clouseau-Filme mit Peter Sellers in der Hauptrolle aufgenommen. Den Film kann man online, zum Beispiel bei Amazon oder Cede.ch, bestellen.


Leo Feuerstein

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